Was machen Bogensportler, wenn sie nicht Bogenschiessen?
Sie stellen ihren Sport anderen Menschen vor!
Bogenschiessen ist für den Zuschauer ja nicht extra spektakulär anzusehen. Daher wird man im Fernsehen vom Bogenschiessen nicht viel sehen, im Radio nicht viel hören und in der Zeitung nicht viel lesen können.
Wenn wir unser Mitmenschen auf das Bogenschiessen aufmerksam machen wollen, müssen wir das schon selbst tun.
Und was wir so tun, stellen wir Ihnen hier vor :-).
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Der Orther Mannschafts-Bewerb und seine besondere Bedeutung in Wissenschaft und Sport.
Jedes Jahr, in der Woche vor dem Orther Zeltfest, wird der Orther Mannschafts-Bewerb ausgetragen. In der Bevölkerung bilden sich spontan Mannschaften, die unter meist ganz phantasievollen Bezeichnungen am Mannschafts-Bewerb teilnehmen. Der sportliche Wettkampf ist in einzelne Bewerbe (Fußball, Angeln, Kegeln, Schiessen usw) unterteilt. Die einzelnen Bewerbe sind so ausgelegt, dass die austrainierten Sportler nicht im Vorteil sind. Alle Teilnehmer sollen die gleichen Chancen haben!
Das ist die offizielle Lesart.
Eigentlich ist der Orther Mannschafts-Bewerb eine Physik-Olympiade. Unter dem Deckmäntelchen einer harmlosen Sportveranstaltung zeigen Spitzenphysiker physikalische Experimente mit oftmals überraschendem Ergebnis, besonders für den physikalisch ungeschulten Laien.
Da es um die Wissenschaft geht, ist der Vorbereitungs-Aufwand beträchtlich. Wir verwenden edle Materialien und ein kompliziertes, arbeitsaufwändiges Verfahren: Sorgfältig werden wertvolle Natur-Stoffe in die Länge und die Breite vermessen, nach bestimmten Schnitten zugerichtet, in genau definierte Falten gelegt und wohldosiertem Druck bei erhöhten Temperaturen ausgesetzt. Nach wochenlanger Arbeit ist es dann soweit:
Die Mannschaft des BSVO erscheint proper adjustiert im schottischen Kilt.
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Hurtig begeben wir uns zum Sportplatz. Wir sind schon neugierig, welche Aufgaben die Masterminds des Sportclubs ausgeknobelt haben.
Hier ist die erste Station:
Ein rascher Blick und wir sind uns einig: Ein Doppelspaltexperiment!
Wer wird das schönste Interferenzmuster erhalten?
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Für die physikalisch weniger Versierten sei das Experiment kurz erklärt: Jeder Teilnehmer versucht drei faustgrosse Bälle durch einen Doppelspalt in Richtung des Detekors zu schiessen, wobei Impuls und Spin im Rahmen des kräftemäßig Möglichen frei wählbar sind. Der Doppelspalt ist nicht sichtbar, den muß sich jeder Experimentator selbst dazudenken, denn es ist ein kombiniertes Labor-Gedanken-Experiment.
Der Detektor ist auf dem Heurigen-Tisch links im Bild aufgebaut. Er besteht aus mehreren in einer Reihe in 90 Grad zur Schuss-Richtung angeordneten Metallzylindern. Fliegt der Ball durch den Doppelspalt und tritt in Wechselwirkung mit dem Detektor, so kann der auf den Detektor übertragene Impuls die geometrische Anordnung der Metallzylinder verändern. Im Idealfall entsteht als Interferenzbild ein regelmäßiges Muster.
Der Experimentator im weißen Hemd, der den Labor-Bereich gerade verläßt, ist sichtlich erfreut über das erzielte Ergebnis. Man sieht auf dem Tisch sehr schön zwei Minima und ein etwas unscharfes Maximum dazwischen.
(Die Hülsen rechts im Vordergrund - hier bereits entladen - dienen der Energiezufuhr für das wissenschaftliche Personal.)
An Energie mangelt es nicht, wir treten vor, spannen die Muskeln und legen los.
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Das Ergebnis ist ernüchternd, Spalt-mässig ist heute nicht unser Tag.
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Während im Fachgremium die Leistung der Kombattanten kritisch gewürdigt wird, strömen wir schon zur nächsten Station: Zielangeln!
Das Prinzip des Fischfangs mit Schnur und Haken ist wohl seit Urzeiten bekannt. Beim Orther Mannschafts-Bewerb geht´s freilich nicht um Fische, sondern um das dynamische Spiel mit Schwingungen und Kräften.
An einer herkömmlichen Angel mit Rolle, wie sie die Fischer zum Baden von Würmern verwenden, ist statt des Vorfachs mit Senkblei und Haken ein Dart-Pfeil befestigt. In einer Entfernung von ca 10 Metern ist am Rasen ein Zielpunkt angebracht. Die Aufgabe besteht darin, den Dart-Pfeil an der Angel in Pendel-Schwingung Richtung Ziel zu versetzen, so dass er, wenn man im rechten Augenblick die Rolle freigibt, möglichst nahe am Zielpunkt im Rasen auftrifft.
Das sieht harmlos aus, die physikalischen Gesetze dahinter sind aber nicht ohne!
Otto ist Spezialist für die Handhabung von schweren Massen an langen Aufhängungen. Er erklärt uns den Fall:
"Erst mal setzen wir das Pendel in Bewegung, dazu müssen wir dem Pfeil Energie zuführen. Das geht am besten, indem wir die Rutenspitze horizontal verschieben; das entspricht einer Auslenkung des Pendels aus der Ruhelage und wir haben damit eine geeignete Anfangsbedingung mit Pfeil-Geschwindigkeit in horizontaler Richtung ungleich Null. Durch Heben und Senken der Rutenspitze im Rythmus der Pendelschwingung können wir bei jeder Schwingung 2 mal Energie zuführen und die Schwingung erreicht rasch respektable Amplituden.
Also im Grunde genommen betreten wir hier das Gebiet der nichtlinearen Dynamik. Bei den nötigen Schwingungsamplituden wird sich die Schnur unter dem Einfluß der Fliehkraft bereits etwas dehnen. Dazu kommt die Nachgiebigkeit der Pendelaufhängung an der Rutenspitze, die nicht linear ist. Die Trajektorie der Pfeilspitze im Phasenraum liegt dann innerhalb des Bereich zwischen zwei verzerrten Kugelschalen, mit einem einzigen stabilen Fixpunkt als Attraktor für alle Orbits im Lot unter der Rutenspitze."
"Das ist ja schön und gut", wagte einer der andächtig Lauschenden einzuwerfen, "wie gewinne ich den Bewerb?"
Geduldig fährt Otto fort: "In dem Moment, in dem Du die Rolle freigibst, wird ein bestimmter Punkt in der Umgebung zum Attraktor. Welcher Punkt das sein wird, hängt vom Impulsvektor des Pfeiles einschließlich des bewegten Teils der Schnur ab. Der Attraktor kann der gewünschte Zielpunkt sein, irgend ein Punkt auf der Rasenfläche, oder eine Körperstelle der umstehenden Personen und Haustiere. Menschen und Tiere zu durchlöchern, liegt nicht in unserer Absicht und bringt uns physikalisch auch nicht weiter.
Als seht euch vor! Es kommt nur auf den richtigen Moment an."
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Nach so gründlicher Einführung in die vertrackte Materie gelingt das Experiment auch ausnehmend gut. Undurchlöchert wandeln wir in Hochstimmung zum Fußball-Kegeln.
Wir wissen, Fußball hat mit Physik nichts zu tun, Kegeln auch nicht. Aussagen wie: "Eins zu Null für die Unsrigen" oder "Alle Neune" können schwerlich für Ergebnisse von physikalischen Experimenten gelten.
"Unzweifelhaft ist hier reine Mathematik im Spiel, Statistik vielleicht, also reine Glückssache", weiß Heinz: "Am besten ins kurze Eck, zwischen ersten und zweiten Kegel!"